Der jüdische Friedhof umfasst ein Areal von 2.179qm. Er liegt ca. einen Kilometer außerhalb der Gemeinde Großkrotzenburg am Waldrand in der Gemarkung Niederwald. Hohe Mauern und eine massives Tor umfrieden ihn. Als Material für die Grabsteine herrscht Sandstein vor, allein 98 Grabsteine bestehen aus diesem Material, Nur zwölf Grabsteine sind aus Marmor gefertigt. Vierzigmal trifft man eine Symbiose aus Gusstein und Marmor, d.h. in Gussstein eingelassene Marmortafeln an. Diese sehr preiswerten Grabmäler lassen auf ein eher kleines Budget der jüdischen Gemeinde von Großkrotzenburg schließen.
Heute befinden sich auf dem Friedhof noch 150 Grabsteine, davon sind auf 137 die Inschriften oder Teile der Inschriften lesbar. Der älteste, heute noch teilweise lesbare Grabstein nennt als Todesdatum den 16. Januar 1811. Seiner Grabinschrift entnehmen wir, dass es sich um ein Frauengrab handelt. Die Tote hieß Feil mit Vornamen und war gebürtig aus Kleinkrotzenburg. Leider fehlt auf diesem Grabstein jeglicher Familienname, so dass eine Zuordnung von Feil zu einer in Großkrotzenburg ansässigen Familien nicht mehr möglich ist. Der jüngste Grabstein weist als Todesdatum den 21. Dezember 1946 auf. Die Beigesetzte ist Frau Augusta Richter, geborene Berberich. Die genaue Entstehung des jüdischen Friedhofes konnte trotz intensiver Nachforschungen bis dato nicht festgestellt werden. Vermutlich ist der Friedhof wesentlich älter als der älteste, oben genannte Grabstein vom 16.1.1811. Diese Vermutung legt auch die Festschrift von Professor Dr. med. Berberich aus dem Jahre 1926 nahe. Damals war es dem Lehrer der jüdischen Volksschule Julius Schuster noch möglich, auf einem heute stark verwitterten Grabstein das jüdische Jahr 5479 zu lesen. Dies entspricht der dem Jahr 1716 der abendländischen Zeitrechnung. Ausgehend von diesem Datum und der Erkenntnis, dass die jüdische Gemeinde von Großkrotzenburg erst Anfang des 17. Jahrhunderts entstand, liegt die Vermutung nahe, dass der Friedhof im Zeitraum1630 – 1716 angelegt wurde. Seine heutige Größe erlangte der Friedhof 1923 als durch eine Flurumwidmung die Liegefläche verdoppelt wurde. Umwidmung und Erweiterung der Einfriedungsmauer erfolgten durch eine Stiftung der jüdischen Jugend.
Bei Beerdigungen stellte die ortsferne Lage ein Problem dar. Bis zum Jahr 1912 mussten vier kräftige Männer den Sarg auf ihren Schultern vom Trauerhaus zum Friedhof tragen. Erst 1912 standen die Geldmittel zum Erwerb eines Leichenwagens zur Verfügung.
Während des „Novemberpogroms“ am 10.11.1938 schändeten und entweihten Mitglieder der Hitlerjugend den jüdischen Friedhof. Die 12 – 15jährigen Jungen warfen alle Grabsteine um und beschädigten diese stark. Fast zeitgleich zog die SA durch Großkrotzenburg, um den Standort des Leichenwagens ausfindig zu machen und diesen, bar aller Pietät, abzubrennen.
Im Mai 1939 erfolgte ein Bestattungsverbot. Juden des Altkreises Hanau durften fortan nur noch in Langenselbold beigesetzt werden. Ein Jahr später stand der Friedhof zum Verkauf. Als Verkäufer trat die am 4. Juli 1939 per NS – Verordnung gegründete Reichsvereinigung der Juden auf. Am 22. Mai 1941 erfolgte die offizielle Schließung des jüdischen Friedhofes durch den Regierungspräsident in Kassel. Am 19. August 1941 wurde dem preußischen Forstamt Wolfgang der Friedhof zum Verkauf angeboten. Begründet wurde diese Kaufofferte mit dem Angrenzen des Friedhofes an das Revier des Forstamtes. Am 30. 12.1942 erwirbt das Forstamt Wolfgang nach schwierigen Verhandlungen das angebotene Grundstück zum einem Preis von 150 Reichsmark. Die Vorratsfläche darf sofort genutzt werden, für die bis 1939 benutzte Bestattungsfläche gilt eine Liegefrist von 30 Jahren. Ab Juni 1943 leitet das Forstamt das Auflassungsverfahren ein. Dieses Verfahren kam, trotz Zahlung des vereinbarten Kaufpreises an die Finanzkasse des Finanzamtes Hanau, nie zum Abschluss, so erfolgte auch keine Grundbucheintragung zugunsten der Preußischen Forstbehörde. Im Laufe des Zweiten Weltkrieges wurde durch militärische Übungen der so genannten Heimatfront mit Panzerfäusten die Friedhofsumfriedung stark beschädigt.
Heute sind alle äußeren Kriegseinwirkungen beseitigt, seit Januar 1960 ist der Landesverband der jüdischen Gemeinden in Hessen Eigentümer des Friedhofes. Gepflegt wird er von der politischen Kommune.
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