Am 18. August 1820 beantragten Mordechai Berberich und Löb Waller bei der Kurfürstlichen – Hessischen Regierung zu Hanau mit Sitz in Kassel den Bau einer Synagoge. Nach eingehender Prüfung lehnte das Ministerium des Innern in Kassel das Baugesuch ab. Der ablehnende Bescheid, der den fehlenden Baumaterialien wegen der Bauintensität in Hanau geschuldet war, erging zwar an das Rentamt in Hanau nicht aber an die jüdische Gemeinde in Großkrotzenburg. Diese erneuerte erst 1824 ihren Bauantrag. Dieses Mal mit mehr Glück. Der Bauantrag wurde genehmigt.
Im Juli 1826 konnte die Synagoge mit einem feierlichen Gottesdienst eingeweiht werden. In seiner wechselvollen Geschichte musste das Gebäude mehrere Male den Bedürfnissen der Gemeinde angepasst werden.
1853 – 1856 wurde eine neue, beheizbare Mikweh = Ritualbad errichtet, 1864 erhielt die Frauenempore ihre heutigen Abmaße, 1900 musste das gesamte Gebäude um 4,50 Meter nach Osten erweitert werden.
Eine Fotographie von 1926 belegt die Schlichtheit des Innenraumes. Er wird lediglich durch die Kronleuchter, den geschnitzten Thoraschrein und die geschnitzte Bima = Vorlesepult geschmückt.
In diesem Haus versammelte sich einst die jüdische Gemeinde um zu beten, Gottesdienst zu feiern,
Für die Glaubensunterweisung ihrer Kinder ließ die Gemeinde 1854 / 55 trotz aller finanziellen Widrigkeiten eine eigene Schule errichten. Zunächst wurde in dieser Schule nur jüdischer Religionsunterricht erteilt.
Auffallend für diese Schule war der häufige Lehrerwechsel, der sowohl situative Ursachen, z.B. mangelnde Bezahlung, enge Wohnverhältnisse, fehlendes Brennmaterial, unzureichende Verpflegung, als auch in dem schlechten Einvernehmen zwischen dem Lehrer und der israelitischen Gemeinde begründet war. Viele Gemeindemitglieder, die selbst keine Kinder hatten, sahen den Lehrer als überflüssig an. Entlohnt wurde der Lehrer durch das Schulgeld, das die Eltern der schulpflichtigen Kinder entrichten mussten.
1874 erfolgte die Umwandlung der Schule in eine dreijährige jüdische Volksschule. Die meisten ihrer Schüler konnten weiterführende Schulen in Hanau besuchen. Dies verdanken sie nicht zuletzt ihrem Lehrer Samuel Spier, der in Großkrotzenburg geachtet und beliebt war.
Bereits 1939 wurde das gesamte Anwesen Steingasse 10 – 12, d. h. die Synagoge und das Schulhaus auf Betreiben der Nazis verkauft. Der Landwirt Joseph Vogt erwarb das Anwesen für 5000 Reichsmark. Er verpachtete die Synagoge an seinen Bruder Franz, der in diesem Gebäude bis 1948 ein Strickwarenfabrik betrieb.
1952 kaufte die Ev. Kirche von Kurhessen – Waldeck die Synagoge und nutzte sie bis 1974 unter der Bezeichnung „Immanuel – Kapelle“ als Gotteshaus. Nach einer Interimsnutzung als Vereinsheim erwarb die politische Gemeinde von Großkrotzenburg das Gebäude. Nach einer vierjährigen aufwendigen Sanierung dient sie seit 1992 als Kultur- und Begegnungsstätte und als Raum für standesamtliche Trauungen.
!997 wurde die Sanierung durch das ebenfalls von Frau Dina Kunze geschaffene Denk – Mal vor der Synagoge gänzlich abgeschlossen.
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