R-4 Nordtor

Lagerdorf am Nordtor – vicus


Blick vom Lagerdorf auf das Haupttor (porta praetoria) des Kastells. (Zeichnung: H. Druschke)

Innerhalb kurzer Zeit nach Errichtung eines Kastells entstand um die Militäranlage ein Lagerdorf (vicus), in dem die Familien der Soldaten lebten. Aber auch Händler, Handwerker und

Gastwirte gingen dort ihren Geschäften nach und profitierten vom geregelten Truppensold der Soldaten.

Der ausgedehnte Vicus des Kastells Großkrotzenburg erstreckte sich nördlich, vor allem aber westlich des Lagers.

Die Bebauung der Kastelldörfer bestand in der Regel aus nebeneinanderliegenden, langrechteckigen Holz-, Fachwerkoder

Steingebäuden. Diese so genannten Streifenhäuser waren mit ihren Schmalseiten zu den Straßen ausgerichtet, besaßen dort ihre Eingänge und einen überdachten Wandelgang (porticus). Im vorderen Bereich eines solchen Hauses befand sich über einem holzverschalten oder steinernen Keller, der als Warenlager

oder der privaten Vorratshaltung diente, meist ein  Gewerbebetrieb, in dem Waren und Dienstleistungen des täglichen Lebens feilgeboten wurden. Im rückwärtigen Teil lagen Wohnräume, die vereinzelt mit Fußbodenheizungen ausgestattet waren. Dahinter schloss sich ein Gartenbereich an.Einige Lagerdörfer besaßen zudem einen freien Platz, der als Marktplatz (forum) genutzt wurde.

In jedem Vicus gab es heilige Bezirke mit verschiedensten Kultbauten für die Verehrung der vielfältigen Götter in der römischen Glaubenswelt.

Zu allen römischen Militärplätzen gehörten meist außerhalb des Kastells liegende Bäder (thermae), zu denen auch die zivile Bevölkerung Zugang hatte. Das Bad des Kastells Großkrotzenburg konnte ca. 40 m westlich von hier an der römischen Straße Richtung Hanau lokalisiert werden.

Da nach römischem Recht Verstorbene außerhalb der Siedlungsgrenzen bestattet sein mussten, lagen die Begräbnisplätze stets an den Ausfallstraßen der Orte.

Das ausgedehnte Gräberfeld von Großkrotzenburg lag nordwestlich des Vicus.

"Römerinnen" am Limes

Das Nordtor – porta principalis sinistra

»Porte« (Zeichnung: A. Zeller, Großkrotzenburg)

Das Nordtor des Kastells Großkrotzenburg hatte eine einfache Durchfahrt. Dachziegelfragmente und Mörtelreste geben Hinweise auf die Bauweise. So ist anzunehmen, dass die Dächer der beiden Tortürme mit Ziegeln gedeckt waren. Die blauen Basaltsteine im Boden markieren den Standort des Nordtores.

Im Mittelalter wurde auf dem noch vorhandenen römischen, aufgehenden Mauerwerk des Nordtores ein Torhaus aus Fachwerk errichtet, die sogenannte »Porte«, die Teil der mittelalterlichen Umwehrung Großkrotzenburgs war. Unter der »Porte« verlief die Kirchstraße, die ehemalige via principalis des römischen Kastells

Das Torhaus war bis ins 19. Jahrhundert noch vorhanden und diente offenbar Wohnzwecken, wenn auch sehr beengten. So soll – nach mündlicher Überlieferung – die Treppe darin so eng und

steil gewesen sein, dass es einst nicht möglich war, einen im Haus verstorbenen Bewohner im Sarg die Treppe hinunter zu tragen.

Tatsächlich waren im mittelalterlichen Großkrotzenburg Mauerreste aus der Römerzeit anscheinend überall im Stadtbild deutlich sichtbar. So nimmt auch der Name »Steingasse« Bezug

auf die noch zahlreich vorhandenen Steine des römischen Kastells.

Römische Kastell Tore der Saalburg im Taunus

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